Das Experten-Interview mit

Klaus Berndt,
Experte für private und betriebliche Altersvorsorge
bei der Gothaer Lebensversicherung, Köln,

und mit


Barbara Rück,
Altersvorsorge-Expertin bei der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf


Vorsorgen für später –
aber wie?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Altersvorsorge:

1. Ich bin 51 Jahre alt. Wie baue ich mein Depot aus heutiger Sicht krisensicher auf?

Barbara Rück, Expertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zum Thema private Altersvorsorge:
Haben Sie bisher keine private Altersvorsorge betrieben und sind im Rentenalter auf jeden zusätzlichen Euro angewiesen, so sollten Sie nur sichere Geldanlagen wählen. Haben diese Sparprodukte unterschiedliche Laufzeiten, erhöht das zusätzlich Ihre Flexibilität. Beim Investment in risikobehaftete Anlagen müssen Sie genau überlegen, wie viel Verlust für Sie maximal tragbar ist.
  
  


2. Woran erkenne ich eine gute Beratung in Sachen Altersvorsorge?

Barbara Rück: Am Anfang einer guten Beratung steht die Bestandsaufnahme. Der Berater sollte sowohl Ihre bestehenden Vorsorgeprodukte abfragen als auch Lebenspläne, die die Altersvorsorge beeinflussen – also Dinge wie den Immobilienerwerb, die Selbständigkeit oder Ihre Familienplanung. Sie sollten zudem unaufgefordert über die Kosten der Produkte aufgeklärt werden und ein Beratungsprotokoll erhalten.

3. Kann es sein, dass die Finanzmarktkrise zu einer Kürzung des Mindestzinses meiner Lebensversicherung führt?

Klaus Berndt, Experte für private und betriebliche Altersvorsorge bei der Gothaer Lebensversicherung, Köln:
Der bei Abschluss vereinbarte „Mindestzins“ bzw. „Garantiezins“ ist – völlig unabhängig von der aktuellen Finanzmarktkrise - für die gesamte Laufzeit garantiert. Dies ist eine der Stärken der Lebensversicherung, die sie von anderen Anlageformen unterscheidet. Sollte das niedrige Zinsniveau längerfristig anhalten, könnte der garantierte Zinssatz für Neuverträge allerdings noch einmal sinken, historisch betrachtet ist er aber schon auf einem sehr tiefen Niveau.



4. Wie sicher ist mein Geld in meiner Lebensversicherung?
Gibt es da wie bei den Banken Sicherungsmechanismen?

Klaus Berndt: Eine ganze Reihe von Maßnahmen und Regelungen gewährleistet die nötige Sicherheit und Rentabilität. So gibt es bei der Kapitalanlage der Lebensversicherer und Pensionskassen strenge gesetzliche Vorgaben, deren Einhaltung ständig von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht wird. Für den äußerst unwahrscheinlichen Fall einer finanziellen Schieflage eines Lebensversicherers gibt es dann auch noch den gesetzlichen Sicherungsfonds, dem alle deutschen Lebensversicherer angehören.

5. Wir haben 80.000 Euro in Festgeld angelegt, der Zins dafür ist immer weiter gesunken. Gibt es sichere Alternativen, die etwas mehr Rendite bringen?

Klaus Berndt: Es gibt eine spezielle Art von Konto, das verschiedene Banken und Versicherungen anbieten und das Ihnen alle Optionen offen lässt. Hier kann das Kapital für einen bestimmten Zeitraum – zum Beispiel fünf Jahre – „geparkt“ werden und wird mit einer garantierten Rendite verzinst. Das Geld ist bei Bedarf monatlich verfügbar, Sie können jederzeit Zuzahlungen leisten oder Teilbeträge entnehmen.

6. Lohnt es sich für mich als Selbständigen oder als Nichterwerbstätigen eigentlich, in die gesetzliche Rentenversicherung einzubezahlen?

Johann Simon Genten, Rentenberater und Experte für die gesetzliche Rentenversicherung, Aachen:
Prinzipiell gilt: Wer in der Rentenversicherung Pflichtmitglied ist, tut nicht nur etwas für die Altersvorsorge, sondern sichert in der Regel auch das Risiko der Erwerbsminderung und die Hinterbliebenenversorgung ab. Daher kann auch eine freiwillige Versicherung unter Umständen sinnvoll sein. Sie können die Aufwendungen auch steuermindernd absetzen. Letztlich hängt die Entscheidung von Ihren individuellen Umständen ab.

7. Wie sicher ist die gesetzliche Rente?

 Johann Simon Genten: Die staatliche Sozialversicherung gibt es seit 1889, in dieser Zeit hat sie schon viele Krisen unbeschadet überstanden. Allerdings hat es in den letzten Jahren teilweise deutliche Abstriche gegeben, so kam es bei den „beitragslosen Zeiten“ oder in Phasen der Arbeitslosigkeit zu erheblichen Kürzungen. Zudem sind Renten und Rentenanwartschaften nur noch begrenzt dynamisch. Eine zusätzliche private Altersvorsorge ist deshalb immer zu empfehlen.

8. Nächstes Jahr wird meine Kapitallebensversicherung fällig, die ich 1980 abgeschlossen habe. Fällt auf diese Auszahlung Abgeltungssteuer an?

Francesco Fronholt, Mitarbeiter des Referats Presse und Information der Deutschen Rentenversicherung Rheinland und Koordinator des „Infonetz Altersvorsorge“:
Nein. Die Leistungen aus Lebensversicherungsverträgen unterliegen grundsätzlich nicht der Abgeltungssteuer.

9. Ich bin 50 Jahre alt. Lohnt sich jetzt noch eine private Altersvorsorge?

Francesco Fronholt: Private Altersvorsorge lohnt sich eigentlich immer. Es ist nur die Frage, wie Sie Ihre Ziele definieren. Auch mit 50 haben Sie noch die Möglichkeit, für eine zusätzliche Einnahme im Alter zu sparen. Eine dieser Optionen ist beispielsweise die Riester-Rente.

10. Ist die Auszahlung meiner Direktversicherung steuerfrei? Sie wurde 1983 abgeschlossen und pauschal versteuert.

Francesco Fronholt: Die Leistungen aus Direktversicherungen, die als „Altzusagen“ zu bewerten sind – also vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden –, sind dann steuerfrei, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre bespart wurde und die Beiträge pauschal versteuert wurden. Beachten Sie aber, dass Leistungen aus der betrieblichen Altersvorsorge der Beitragspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung unterliegen.