Wenn aus Eltern Großeltern werde

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“

Großvater werden ist sogar noch weniger schwer…

Um jedoch ein besonders guter Großvater zu werden, bedarf es allerdings einiger Anstrengung. Und da spreche ich aus Erfahrung. Auch das ist eine Aufgabe, in die ich erst einmal hineinwachsen musste. Kaum war ich 46, überraschte uns unsere Tochter mit dem ersten Enkel. 

Es ist ein komisches Gefühl, jetzt - da die eigenen Kinder endlich flügge sind, seit man wieder mehr Zeit und noch unheimlich viel vor hat - auf einmal zur "älteren Generation" zu gehören, zu der, die als nächste vom Sterben bedroht ist. Das macht einen schon nachdenklich, bringt es Helga Gürtler im Online-Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) auf den Punkt: 

Wie war das?

Als Sie in der Klinik Ihr Verwandtschaftsverhältnis zu dem neuen Erdenbürger angeben wollten: "Wir sind die Großeltern". Ist Ihnen das leicht über die Lippen gegangen? Vielleicht sind Sie aber auch, weil Ihr Sohn oder Ihre Tochter eine neue Partnerschaft eingegangen ist, Hals über Kopf Großeltern einer Sechsjährigen, eines Zehnjährigen geworden. Haben Sie schnell und freudig reagiert, als Sie vom Enkelkind das erste Mal "Oma" oder "Opa" gerufen wurden? Oder ist es Ihnen immer noch lieber, wenn der Nachwuchs Sie in der Öffentlichkeit "Inge" oder "Florian" nennt? Trotzdem bedeutet die Tatsache, dass Sie jetzt Enkelkinder haben, nicht, dass Sie zum alten Eisen gehören, denn möglicherweise sind Sie kaum älter als die Nachbarin, die mit über vierzig noch einmal Mutter geworden ist - von Vätern in hohem Alter ganz zu schweigen. Sie können vierzig sein, sechzig oder siebzig, und das macht schon einen ganz schönen Unterschied.



Es hat viele Vorteile, Großeltern zu sein

Ich nehme an, Sie lieben Ihr Enkelkind bzw. Ihre Enkelkinder und möchten so viel wie möglich von ihrer Entwicklung mitbekommen. Da fängt alles noch einmal von vorn an. Noch einmal sehen Sie so ein Menschenkind das erste Mal lächeln, sich aufrichten, stehen, laufen. Sie beobachten, wie es sprechen lernt, die ersten Dummheiten macht, sich die ersten Beulen und Schrammen holt.

Aber das ist das Schöne: Sie sind nicht mehr für all und jedes, was dieses Kind braucht, verantwortlich. Sie müssen sich seinetwegen nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen, und wenn seine Unternehmungslust zu sehr an Ihren Nerven zerrt, können Sie es wieder bei den Eltern abliefern und sich erholen.

Sie müssen nicht mehr, Sie dürfen! Sie können all das, was die jungen Eltern jetzt mit viel Engagement und Aufwand betreiben, mit Abstand betrachten.

Quelle:Helga Gürtler: Kinder lieben Großeltern, München: Kösel Verlag 2000, 238 S.


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